Hygiene in der Mongolei – Tsagaan Gantumur

Der größte Reichtum der Mongolei besteht in seinen zahlreichen Bodenschätzen (Kohle, Kupfer, Uran, Erdöl, Gold, Silber und seltene Erden). Die Chance auf eine deutliche Erhöhung des Lebensstandards der Bevölkerung auch in gesundheitlicher und hygienischer Hinsicht ist also gegeben. Die Medizinerin Tsagaan Gantumur, die selbst Hygieneschulungen in der Mongolei durchführt, gibt einen Einblick in eine Kultur, die gerade erst im Begriff ist, Hygienestandards zu entwickeln. Bei dieser Entwicklung und landesweiten Etablierung ergeben sich einige landesspezifische Probleme. Während die Hauptstadt Ulaanbataar, in der Rund die Hälfte der drei Millionen Mongolen lebt, Probleme damit hat, ihre Infrastruktur auch im Gesundheitswesen synchron mit dem Wachstum der Einwohnerzahl voranzutreiben, sind den Bewohnern anderer Gebiete, die hauptsächlich in Jurten leben, westliche Hygienestandards zum Teil noch gänzlich unbekannt. Das Land ist zudem erst seit 1921 gänzlich unabhängig von China und wurde bis 1989 kommunistisch regiert, gilt aber seit 1990 als die stabilste Demokratie Asiens. Ab 1941 entwickelt sich unter dem Einfluss der Sowjetunion ein Gesundheitssystem, das westlich geprägt ist und von der zuvor vorherrschenden traditionellen chinesischen Medizin Abstand nimmt. In dieser Zeit entwickelt sich auch eine staatliche Infektionskontrolle. Die größten Probleme, mit denen die Mongolei infektionstechnisch zu kämpfen hat, sind Tuberkulose und die weite Verbreitung von Hepatitis B und C. Auch die Pest, die vermutlich hauptsächlich durch Murmeltiere übertragen wird, ist in hier noch nicht vollständig besiegt. Bei den auch in der Mongolei meldepflichtigen Krankenhausinfektionen stellt sich das Problem einer unzureichenden Meldung. Die Mängel, die im Gesundheitssystem noch herrschen, sind weitgehend bekannt und ministerielle Erlasse sollen diese auch beheben, dabei wird jedoch oft das mangelnde Budget der Krankenhäuser außer Acht gelassen, das eine adäquate Umsetzung unmöglich macht. Fortschritte in der Infektionsprävention und allgemeinen Krankenhaushygiene lassen sich aber, auch dank mongolisch-deutscher Kooperation, durchaus beobachten.

Die Mongolei ist ein Land, das sich aufgrund seiner kulturell-historischen Andersartigkeit schlecht mit westlichen Industrienationen vergleichen lässt, Kooperationsprojekte mit anderen Ländern erweitern aber Wissen und Möglichkeiten um und in der Hygieneaufklärung und Umsetzung von Hygienestandards. Ein Problem, dass in der Mongolei allerdings besonders stark zur Geltung kommt, ist die Landflucht. So zieht hygienetechnisch ausgebildetes Personal oft genug in die Hauptstadt um, die bessere Chancen bietet als das Land. Dieser Fakt erschwert zusätzlich eine landesweite und dauerhafte Verbesserung des Hygiene- und Gesundheitsstandards.

Der Volltext zu dieser Zusammenfassung findet sich in:                                                                                                          Ingensiep, H.W. / Popp, W. (Hrsg.): Hygiene-Aufklärung im Spannungsfeld zwischen Medizin und Gesellschaft. München/Freiburg: Alber-Verlag 2016.

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